Mit Volldampf in die Zukunft

Aumenau nimmt am Dorfwettbewerb teil und will gleich den ersten Platz machen

Joachim Töws vor dem künftigen Kultur- und Sozialzentrum: „Es wird die Ortsgemeinschaft stark beleben“. (Foto: Robin Klöppel)

Der Andrang war gewaltig: 60 Aumenauer kamen jetzt zu einer Infoveranstaltung über die Teil nahme am Wettbewerb „Unser
Dorf hat Zukunft 2017“ ins Hotel Lahnbrücke.

Villmar-Aumenau. Das Dorf Aumenau hat gerade erst die Dorferneuerung und die 1250-Jahr-Feier hinter sich gebracht, dennoch gönnen sich die örtlichen Aktiven keine Pause. Für 2017 haben sie ihren Ort für den Regionalentscheid „Unser Dorf hat Zukunft“ angemeldet. Wenn am 22. August die Bewertungskommission kommt, wollen die heimischen „Macher“
die Jury zwei Stunden lang von Aumenaus Stärken überzeugen.

Einer der Motoren der Aktion ist Andreas Städtgen. Der selbstständige Tausendsassa ist Erfinder derKneipennacht, des Osterfeuers und des Adventszaubers. „Jedes Dorf braucht seinen August, der voranläuft“, lacht Städtgen: „Wir werden nicht Letzter im Regionalentscheid.“ Ganz schön selbstbewusst gibt sich Städtgen, der einmal mehr fest entschlossen ist, nicht als Verlierer „vom Platz zu gehen“, sprich: den Regionalentscheid mit aller Macht zu gewinnen. „Das kann aber keiner alleine. Dafür brauchen wir viele Bürger“, betont er.

Sein Plan: Die Jury soll alle Vereine erleben; er ist sich sicher, dass 99 Prozent der Vereine mitmachen werden. Was hat Aumenau, was die anderen Dörfer nicht haben? Städtgen überlegt kurz: „Besonders engagierte Bürger.“ Er nennt die Vereinsarbeit, den großen Einsatz bei Ortsjubiläum und Dorferneuerung mit Schaffung des Parks der Erinnerung und des Kultur- und Sozialzentrums sowie viele geförderte Privatsanierungen. Und sonst? „Wir leben hier wie im Urlaub. Mit der Lahn, den schönen Wäldern. Wenn Gäste von auswärts kommen, die sagen immer ’Wie schön habt es ihr’.“

Ein Machertyp

Wer Andreas Städtgen länger kennt, weiß, dass der 52-Jährige ein Machertyp mit vielen Ideen ist. Einer, der sich in Diskussionen mit Entschlossenheit und Rhetorik durchsetzen kann und unglaublich viel für seine Wahlheimat leistet. Aufgewachsen ist er in Ernsthausen, „aber als ich vor 25 Jahren nach Aumenau kam, wurde ich sofort gut aufgenommen.“ Dem langjährigen Hobbyschützen imponierte es, dass beim SV „Diana“ Aumenau nicht nur wie bei anderen Vereinen der soziale Status des Neumitglieds zählte, sondern vor allem die Menschlichkeit. „Alphatier“ Städtgen wurde natürlich irgendwann wie selbstverständlich Vorsitzender des Vereins und ist es noch heute. „Das Engagement habe ich schon in der 4. Klasse Grundschule gezeigt, als ich Klassensprecher wurde“, sagt der SPD-Gemeindevertreter. Durch seine berufliche Tätigkeit sei er es gewohnt, Entscheidungen zu treffen und Veranstaltungen zu organisieren. „Man muss auch Menschen mobilisieren können“, sagt er: „Wenn einige vorangehen, dann gehen in Aumenau
auch immer viele mit.“

Warum nach dem Kraftakt Dorferneuerung jetzt schon wieder Zukunftswettbewerb? „Wenn die Kugel einmal rollt, muss man sie am Rollen halten“, sagt der Geschäftsmann energisch. Städtgen spielt nicht nur mit in Aumenau. Er pfeift die Spiele auch gerne selbst an. Als sich keiner um den alten Bahnhof im Ort kümmert, kauft er ihn einfach selbst und richtet ihn wieder her. Als er darin eine Gastronomie eröffnet hat, kommt eine Gruppe aus Bremen herein und sagt im Spaß: „Wir machen hier eine Kneipennnacht, trinken in jeder Kneipe ein Bier“. Andreas Städtgen hört das und erkennt sofort die Chance für Aumenau hinter diesem Spruch. „Wir haben sechs Gaststätten im Ort. Wir machen die Kneipennacht.“ Sie ist mittlerweile erfolgreich jährliche Dauereinrichtung. Früher gab es einen kleinen Weihnachtsmarkt in Aumenau, der so war, wie er in vielen Dörfern ist. Man musste ihn nicht gekannt haben, und irgendwann war er ganz verschwunden. Städtgen ging letztes Jahr dagegen in die Vollen. Ihm war klar, dass Feuerwerkshändler eine Werbeplattform brauchen, um Geschäft zu machen. Er fand einen, der ihm zum Adventszauber ein riesiges Feuerwerk zauberte und plötzlich standen Hunderte von Menschen auf der Lahnbrücke und verfolgten das Spektakel. Nur zwei Beispiele dafür, wie wertvoll Städtgens scharfer Verstand und Macherqualitäten für den Ort sind.

„Die Infrastruktur stimmt“

Einer wie er will sich nicht mit Schwächen beschäftigen. Das einzige, was ihm dazu zu Aumenau einfällt ist: „Ärgerlich, dass es seit Ende letzten Jahres keinen Geldautomaten mehr gibt.“ Ansonsten zeigt der Machertyp im Gespräch, dass die Jury wohl kaum eine Chance haben wird, Aumenau beim Regionalentscheid nicht auf Rang eins zu setzen. „Die Infrastruktur stimmt. Wir haben Schule, Kindergarten, ein Lebensmittelgeschäft, Ärzte und eine Apotheke“, weiß Städtgen. Er sagt: „Du kannst nur im Leben Erfolg haben, wenn du Stärken erkennst und sie noch stärker machst.“ Beim Regionalentscheid werde es aber viele gute Orte geben. Entscheidend werde folglich sein, noch einmal zehn Prozent draufzusetzen.


NNP 19. Mai 2017 – Beitrag von Robin Klöppel

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Aumenau_NNP-19.05.2017_16

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